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Hauptsynagoge

Eröffnung neuer Hauptsynagoge

2006 wurde am geschichtsträchtigen 9. November die neue Hauptsynagoge eingeweiht. 1200 Besucher nahmen an der erhebenden Feier teil, bei der die Torahrollen in einer feierlichen Prozession durch Münchens Altstadt zu ihrem endgültigen Zuhause am Sankt Jakobs Platz getragen wurden. Laut führenden jüdischen Gemeindemitgliedern war diese Zeremonie ein deutliches Zeichen für den dauerhaften Platz, den die jüdische Gemeinde in München innehat. Besonderen Symbolcharakter erhielt die Zeremonie durch ihr geschichtsträchtiges Datum: der 68igste Geburtstag der schändlichen Kristallnacht, in der auf Hitlers ausdrücklichen Befehl die damalige Hauptsynagoge zerstört worden war.

Der Sankt Jakobs Platz gehört zu den historischen Orten Münchens und ist der geradezu ökumenischste. Seine geschichtliche Tradition reicht bis in das frühe 12. Jahrhundert, da sich hier eine Sankt Jakobskapelle befand, die bis zum 14. Jahrhundert als Sammelpunkt für Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela diente. Seit 1221 befand sich hier ein (männliches) Franziskanerkloster, das 1254 nach seinem Umzug von einem (weiblichen) Klarissenkloster abgelöst wurde. Und nun schließt sich der Kreis, da dieser einstmals so pulsierende Ort zum Standplatz des neu erbauten Jüdischen Gemeindezentrums gewählt wurde. Der Gebäudekomplex umfasst die Hauptsynagoge mit 500 Plätzen, ein Kulturzentrum mit Grundschule und Kindergarten, das Jüdische Museum mit 800 m² Ausstellungsfläche, ein koscheres Restaurant, ein Café und Veranstaltungsräume. Das reichhaltige Programm bietet sogar Hebräischkurse für jedermann.

Dieser Platz war aber nicht nur von religiöser Bedeutung, sondern spielte während des gesamten Mittelalters bis in das 19. Jahrhundert eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Als Brücke zwischen kirchlichem und weltlichem Leben diente die sogenannte Jakobidult, gefolgt von weiteren Dulten, an Kirchenfesten abgehaltenen Jahrmärkten. Diese Dulten waren von so großer wirtschaftlichen Bedeutung für die Stadt, dass Händler aus anderen bayerischen Städten zugelassen waren. Auf diese religiös begründete Aktivitäten folgte ein bunter Reigen rein wirtschaftlicher Unternehmungen, nämlich der Bau eines Feuerhauses, einer Seidenfabrik, eines Salzlagerhauses, einer Kornkammer, und, Blüte eines bizarren mittelalterlichen Humors, einer Waffenkammer direkt daneben. Es wurde ein Heumarkt abgehalten und bis 1786(!) das Scharlachrennen, bei dem der Preis nicht aus einem scharlachroten Pferd bestand, sondern aus einem 26-Ellen langen scharlachrotem Stoff feinster englischer Machart; ein geradezu kosmopolitischer Ort also.

Gebaut aus Travertinblöcken mit einer Glaskuppel, die einen wunderschönen Ausblick auf den Himmel bietet, hat die Synagoge allein bereits ca. € 72 Millionen gekostet, die von der jüdischen Gemeinde, der Stadt München, dem Freistaat Bayern und privaten Spendern aufgebracht wurden. Die Kombination aus natürlichen Materialen, modernem Design, einer faszinierenden unregelmäßigen Anordnung der Gebäude, die interessante Räume erstehen lässt, Bäumen und Wasserspielen ermöglichte die Schaffung eines Ortes, der zum Verweilen einlädt.